Der Dachverband Deutscher Immobilienverwalter (DDIV) hat zum vierten Mal seine Mitglieder für ein Branchenbarometer befragt. Drei von vier Verwaltern wollen demnach 2016 ihre Preise erhöhen. Sogar vier Fünftel fürchten einen Fachkräftemangel. Vor allem kleine Eigentümergemeinschaften kämpfen zudem vermehrt damit professionelle Immobilienverwalter zu finden.

Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG) müssen sich in Deutschland auf deutliche höhere Preise einstellen. Drei Viertel aller professionellen Immobilienverwalter planen, die Verwaltungsgebühr in diesem Jahr zu erhöhen – im Schnitt um 5%. Im vergangenen Jahr haben bereits 70% der Immobilienverwalter die Grundvergütung angehoben. Der Durchschnitt lag dabei bei einem Aufschlag von 6%. Das ist ein Ergebnis des 4. Branchenbarometers des DDIV.

Gestiegene Anforderungen

„Die Anforderungen an die Immobilienverwalter werden immer umfangreicher“, kommentiert DDIV-Geschäftsführer Martin Kaßler das Ergebnis des Branchenbarometers. „Die Qualität der Dienstleistung muss sich auch in der Vergütungsstruktur widerspiegeln.“ Deshalb sei eine maßvolle Erhöhung der Vergütungen unumgänglich. Verwalter müssten schließlich sowohl kaufmännische als auch technische und rechtliche Fachkenntnisse besitzen und bereits heute über 50 Gesetze und Verordnungen kennen und anwenden. Gleichzeitig kommen laut DDIV ständig neue Aufgaben hinzu.

Kleine Verwalter vor Problemen

Die zunehmende Komplexität wirkt sich auf die Struktur der Verwalterbranche aus. „Kleine Unternehmen mit weniger als 400 vermieteten Einheiten werden es künftig schwer haben, Neukunden zu gewinnen und sich erfolgreich am Markt zu behaupten“, prognostiziert DDIV-Geschäftsführer Martin Kaßler. „Denn immer mehr Wohnungseigentümergemeinschaften entscheiden sich für eine professionelle Verwaltung mit spezialisierten Mitarbeitern.“ Kleinstverwaltungen, die nicht mehr als 400 Einheiten verwalten, machen derzeit noch gut ein Viertel aller Verwaltungsunternehmen aus, während nur ein knappes Achtel mindestens 3.000 Einheiten verwaltet.

Fachkräftemangel

Der Konkurrenzkampf wird durch den sich zuspitzenden Fachkräftemangel noch verstärkt. Laut dem DDIV-Branchenbarometer erwarten vier von fünf Verwaltungsunternehmen einen Fachkräftemangel. 2014 waren es erst knapp zwei Drittel. Jedes zweite Unternehmen erhält bereits jetzt auf ausgeschriebene Stellen nicht genügend Bewerbungen. Vier von fünf Unternehmen beklagen zudem die fehlende Qualifikation der Bewerber. Zugenommen hat vor diesem Hintergrund die Ausbildungsbereitschaft: Jedes dritte Verwaltungsunternehmen beschäftigt Auszubildende. Das ost deutlich mehr als im Vorjahr.

Problem für kleine Eigentümergemeinschaften

Von den Veränderungsprozessen betroffen sind aber auch die Wohnungseigentümer. „Kleine Eigentümergemeinschaften tun sich immer schwerer damit, eine professionelle Verwaltung zu finden“, stellt Kaßler fest. 86% der Verwaltungen lehnten 2015 die Übernahme von Verwaltungsmandaten ab, wobei sie als Hauptgrund die fehlende Größe der Eigentümergemeinschaft nannten. „Die Verwaltung von Eigentümergemeinschaften mit weniger als zwölf Einheiten ist aufwändig und wenig wirtschaftlich“, erläutert Kaßler. Um eine professionelle Verwaltung für sich gewinnen zu können, werden kleine Eigentümergemeinschaften deshalb nach Einschätzung des DDIV immer öfter eine Vergütungsstruktur akzeptieren müssen, die nicht mehr einen Betrag pro verwalteter Einheit vorsieht, sondern eine Pauschale für die ganze Eigentümergemeinschaft.

Zulassungsregeln dringend notwendig

Der DDIV sieht die Ergebnisse als Bestätigung für die eigene Forderung nach Zugangsregelungen für Immobilienverwalter. „Wir fordern, dass der Gesetzgeber jetzt endlich Nägel mit Köpfen macht und sicherstellt, dass nur qualifizierte Fachkräfte den anspruchsvollen Beruf des Immobilienverwalters ausüben dürfen,“ fordert DDIV-Geschäftsführer Kaßler.